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Khadra Sufi und Mousse T – Hannovers neues Powerpaar

27. Juli 2022

Genau 20 Jahre nach seinem Welt-Hit „Sexbomb“ trifft Mousse T. 2018 seine große Liebe Khadra Sufi. Mit ihm beginnt für sie ihr, wie sie es nennt, „viertes Leben“. Und für dieses zieht die gebürtige Somalierin sogar von Hamburg nach Hannover. Was sie an dieser Stadt so begeistert und warum Mousse T. der bestangezogene Mann Deutschlands ist, haben die ­beiden ‡-Autorin Luisa Verfürth im Interview verraten.
Text: Luisa Verfürth  Bilder: Filipp Romanovski
Khadra Sufi wurde 1980 in Somalia geboren. Sie ist Moderatorin, Autorin und Modedesignerin. Mousse T. wurde 1966 als Mustafa Gündogdu in Hagen geboren. Er ist deutsch-türkischer Musikproduzent. Seit 2018 sind die beiden ein Paar. Vielleicht das heißeste, seit es „Sexbomb“ gibt – und mit diesem Sachverhalt kennt sich der weltberühmte DJ aus.
Zwanzig Jahre lagen 2019 zwischen dem Komponieren des Songs, mit dem Mousse T. mit Tom Jones zusammen 17 Wochen in den Charts war und drei Goldene Schallplatten erhielt – allein nur in Deutschland. Weltweit noch viel mehr. Sein Track „Horny“, der ein Jahr früher entstand, wurde sogar im South Park Film gefeatured. 1998 war er als erster Europäer für den Grammy in der Kategorie Best Remixer nominiert.
„Ich habe es jetzt am eigenen Leib erleben dürfen, wie es sich anfühlt, 20 Jahre Lebenszyklus zu durchbrechen. In der Musik sagt man: „Es kommt alles wieder nach 20 Jahren. Sogar in der Kulinarik sieht man es. Zumindest habe ich letztens in Florenz einen Krevetten-Cocktail in der Hand gehalten und musste sehr schmunzeln. Und auch die Leute entdecken meine Musik gerade wieder. Man merkt und spürt einfach, dass sie Bock haben auf Lebensfreude, auf Vocal House. Und das ist genau meins. Die Menschen wollen Feiern und wollen wieder lachen.“

Glücklich miteinander: Neu-Hannoveranerin Khadra Sufi und DJ Mousse T.

Der Erfolg der Partyreihe Glitterbox

Schon während der Pandemie war Mousse T. nach den ersten Lockerungen in England gebucht. „Am Anfang war das für mich befremdlich, dass es dort so schnell wieder losging. Da bin ich typisch deutsch. Ich liebe meine Regeln, bin sehr solidarisch und finde das wichtig. Und als dort die Masken viel früher fielen, war das schon ein bisschen so ein Woodstock-Feeling.“
Für 2022 ist seine Tour auf die ganze Welt ausgeweitet. In den Sommermonaten wird er Residence-DJ auf Ibiza sein und mit der Glitterbox-Reihe die Ibizenker und Urlauber zur Ekstase bringen. Selbst in Hannover ist die Party-Reihe inzwischen ein Muss. „Ein Freund von mir hatte die Glitterbox-Partys ins Leben gerufen, und so habe ich mir später die Rechte für Deutschland gesichert. Das Konzept lautet: Mit weltbekannten DJs und phänomenalen Tänzern pure Lebensfreude zu verbreiten“, erzählt der Musiker. „Und Hannover hat mich jedes Mal so unglaublich stolz gemacht, dass die Leute es so abgefeiert haben. Es war aber auch ein Beispiel für gutes Stadtmarketing, weil die Plakate für Glitterbox Hannover bis hin nach Hamburg und Berlin hingen.“ Jetten um die Welt
Nach Ibiza und Auftritten in Europa geht es im Herbst nach Amerika und über die Jahreswende nach Australien und Asien. „Ich habe irgendwann gelernt, in Touren zu denken. Früher bin ich von einem Kontinent zum anderen gejettet, aber wenn du das ein Leben lang machst, bist du irgendwann fertig.“
Khadra Sufi ist so oft es geht dabei. Von ihrem Look her und ihrer einnehmenden Ausstrahlung könnte sie glatt als Sängerin an Mousse T.s Seite durchgehen. „Das ist schon ein Running Gag bei uns“, so Mousse T. „Wenn wir irgendwo zusammen unterwegs sind, fragen alle Khadra immer sofort: „Ah, singst du jetzt „Horny“ für uns?“. Ihre Freundinnen haben ihr sogar schon ein T-Shirt mit der Aufschrift: „I am not his Singer. I am his Boss“ gedruckt.

Lieben Mode sehr: Khadra Sufi und Mousse T.

Als sich die beiden 2018, ein Jahr vor der Pandemie, kennenlernen, beginnt für Khadra auch ihr viertes Leben. 2010 erschien ihr Buch: „Das Mädchen, das nicht weinen durfte“, in dem sie ihre bewegende Biografie schildert. „Ich komme aus einer Diplomatenfamilie. Bin zwar in Somalia geboren, aber in Berlin aufgewachsen, bis mein Vater zurück nach Somalia beordert wurde und dort der Somalische Bürgerkrieg ausbrach und wir 1990 flüchten mussten.“ Über Kenia und Ägypten gelangten sie zurück nach Deutschland, genauer gesagt nach Bonn, wo sie anfangs in einem Asylheim wohnen.
Als die Familie nach London auswandert, bleibt Khadra als 16-Jährige zurück, wohnt zeitweise mittellos in einer umgebauten Garage. Kämpft sich alleine durch. Wird erwachsen und lernt, das, was ihr widerfährt, in Kraft umzuwandeln. Ihr Traum ist, TV-Moderatorin zu werden. Und nach vielen Stationen, unter anderem einer Ausbildung zur Arzthelferin und Arbeit bei der BILD-Zeitung in Köln, wo sie als Schreiberin und Reporterin arbeitet, verwirklicht sie ihn dann vor der Kamera beim WDR. Inzwischen ist Sufi beim Teleshopping Sender QVC zu sehen, wo sie als Markengesicht Taschen von Kipling und Schmuck von Diamonique präsentiert.
Bis sie dort stand, wo sie sich jetzt befindet, war es jedoch ein langer Weg mit Höhen und Tiefen, mit Rückschlägen und Fehlern. Aber darin sieht Sufi nicht nur Negatives. „Fehler im Leben sind nicht geil. Und niemand macht sie gerne. Aber es ist wichtig, dass du dich immer wieder selbst reflektierst und den Anspruch hast, die beste Version deiner selbst zu sein: Einfach ein guter Mensch zu sein.“
Gerade in der Pandemie hat auch Mousse T. vieles reflektiert und hinterfragt. Auch sich selbst. Was kann man vielleicht optimieren, und was braucht man überhaupt? Sein Fazit: „Wenn wir Musiker schlau waren, haben wir uns die Zeit genommen und sind ins Studio gegangen. Genauso wie es die Scorpions getan haben und ihr Album „Rockbeliever“ bei uns im Peppermint Studio produziert haben. Mein Hauptberuf ist am Ende der des Musikproduzenten.“
Khadra Sufi und Mousse T. sind seit 2018 eigentlich durchgehend unterwegs. Er tourt durch die Welt, sie arbeitet als Moderatorin und Redakteurin, und beide treffen sich, so oft es geht. Bis 2019 die Pandemie hereinbricht und eine Entscheidung her muss. Hamburg oder Hannover? Sufi wohnt in einer wunderschönen Wohnung in der Hafencity, direkt an der Elbphilharmonie. Mousse T. ist in Hannover verwurzelt.
„Jeder, dem ich erzählt habe, dass ich nach Hannover ziehe, hat nur mit dem Kopf geschüttelt“, so Sufi lachend. „Aber Mousse T. hat sich hier sein Leben aufgebaut. Er hat sein Studio hier und ist eine Institution in Hannover.
Ich hatte zehn Sekunden mit dem Gedanken gespielt, er würde vielleicht nach Hamburg kommen, aber ihn dann sofort wieder verworfen“, sagt die Moderatorin mit einem Lächeln. „Ich finde, Hannover ist eine supertolle und moderne Stadt!“
Noch immer ist sie mit Mousse T. zusammen auf Entdeckungsreise. „Gerade wenn man viel in Berlin ist, wie wir beide, lernt man es sehr zu schätzen, wenn man in einer gepflegten Stadt wohnt. Und man freut sich auf sein Zuhause. Freut sich darauf, seinen Jogginganzug anzuziehen, in sein eigenes Bett zu gehen und Serien zu gucken.“
Ob sie das auch während der Pandemie gemacht haben? „Auf jeden Fall. Wir sind die, die Netflix leer geguckt haben“, sagt Mousse T. und lacht. Er betont übrigens, dass er nicht die Kontrolle über sein Leben verloren hat, auch wenn er gern im Jogginganzug zu Hause rumgammelt, und das kann jeder auf den ersten Blick sehen.
Zu Veranstaltungen wie dem San Remo Musik Festival im Februar, für das er mit Giovanotti Morandi die Musik zusammen komponierte, trägt er gern auch mal Tuxedo. „Wir lieben beide Mode. Ich bin verrückt nach Mode“, erzählt Sufi. „Mode ist für mich wie ein Geschenk, wenn du dich schick machst und abends weggehst, wertest du automatisch die Location und alles um dich herum mit auf. Und wenn ich mich in Deutschland umschaue, kann ich stolz sagen, dass Mousse T. einer der best­angezogenen Männer ist.“

Beide sind Modebegeistert

Der Mann, der in den letzten Jahren Songs für Künstler wie Gloria Estefan, Simply Red, No Angels, Quincy Jones, Moloko oder die Backstreet Boys produzierte und für Künstler wie Timbaland und Missy Elliott remixte, hat durch und durch ein Gespür für Fashion. Eine Gemeinsamkeit, die bei den beiden offensichtlich ist. Sie sind ein Powerpaar und das in jeder Hinsicht. Als Geschäftsfrau- und -mann, als Speaker, als Musiker und Moderatorin und auch als Gesichter der digitalen Welt. „Wir bewegen uns zwar in einer sehr oberflächlichen Welt, aber bei uns ist alles echt: „What you see, is what you get“, sagt Sufi. Hamburg ist definitiv um eine Powerfrau ärmer. Aber Hannover um ein Traumpaar reicher. Wenn man Khadra fragt, welches Lied ihr bei Mousse T. als Allererstes einfällt, fängt sie an „Is it cos’ I’m cool“ zu singen und zwar so professionell, dass das mit der Gesangskarriere gar nicht abwegig erscheint. „Ich habe früher mehr melancholische R&B- und Soul-Texte gehört. Mousse T. dagegen hat nicht ein trauriges Lied. Er ist einfach ein durch und durch positiver Mensch. Und das Schöne ist, dass er das in seiner Musik zeigen kann.“
Bei Mousse T. scheint das gut funktioniert zu haben, auch wenn er das selbst ein bisschen anders sieht. „Gute Kunst kannst du nur schaffen, wenn es dir scheiße geht und du dich schlecht fühlst. Kunst braucht Reibung. So wie wenn du Liebeskummer hast. Wenn du diese Gefühle kanalisierst, kann daraus ein Wunder entstehen. Daran glaube ich ganz fest.“
Das Comeback und das Zelebrieren dieser Wunder in Form von Tracks können die beiden jetzt genießen. Ohne Liebeskummer. Mit Reisen und einer Heimat in Hannover. Weil Mousse T.s Boss sich dafür entschieden hat. Not his singer.

Fühlt sich in Hannover wohl: Khadra Sufi ist nicht nur erfolgreiche Autorin, sondern auch als Moderatorin bei QVC tätig. Für die Beziehung mit Mousse T. ist sie von Hamburg hierher gezogen.

Khadra Sufis Buch: „Das Mädchen, das nicht weinen durfte“ ist im Südwest Verlag erschienen und in allen Buchhandlungen erhältlich.
Mousse Ts. Tourdaten findet man auf seiner Instagram-Page und auf seiner Webseite: http://www.mousse-t.com/

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